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Die Frage danach, was guten und lernwirksamen Unterricht ausmacht, steht im Zentrum der bildungswissenschaftlichen und fachdidaktischen Forschung und ist ein zentrales Lernziel der Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen. Seit vielen Jahren wird in der empirischen Unterrichtsforschung diskutiert, was guten Unterricht ausmacht und anhand welcher Dimensionen dieser beschrieben werden kann. Hierbei werden meistens generische Dimensionen von Unterrichtsqualität betrachtet, wobei die Spezifika der unterschiedlichen Fächern respektive der verschiedenen Lerngegenstände oft unberücksichtigt bleiben.
Was Unterrichtsqualität in sehr zentralen Dimensionen ausmacht, hängt jedoch unmittelbar von den spezifischen Lerngegenständen beziehungsweise Lerninhalten ab. Somit braucht es ein Modell von Unterrichtsqualität, das fächerübergreifende Basisdimensionen umfasst, jedoch lerngegenstandspezifisch ausdifferenziert werden kann. Ein zentrales Ziel des Projekts liegt somit in der Konzeption eines solchen Modells. Ausgehend von einem solchen Modell soll zudem ein Evaluationsinstrument entwickelt werden, das konkrete Unterrichtssituationen hinsichtlich spezifischer Qualitätsmerkmale analysierbar macht. Bei der Modell- und Instrumententwicklung sollen hierbei Fragen einer späteren Anwendbarkeit in der Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen systematisch berücksichtig werden.  
Ziel des Projekts ist es, ein adaptives Modell von Unterrichtsqualität zu entwickeln, welches sowohl in der Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen wie in der Unterrichtsforschung verwendet werden kann. Das Modell soll zentrale generische Aspekte enthalten, welche für eine lerngegenstandsspezifische Betrachtung und Untersuchung von Unterrichtsqualität adaptiert werden können. Dabei soll auch ein Evaluationsinstrument zur Analyse von Unterricht entwickelt werden.

AUSTAUSCHFORUM "UNTERRICHTSQUALITÄT"

Das Austauschforum «Unterrichtsqualität» lädt alle Interessierten herzlich zu folgenden Veranstaltungen ein:

«Verschiedene Facetten von Unterrichtsqualität – Erfahrungen aus der internationalen Bildungszusammenarbeit»
29.02.2024, 16:00-17:30 Uhr | PHZH, LAA-K021
Im Vortrag verbinden Wiltrud Weidinger und Ruedi Isler unterschiedliche Gütemerkmale von Unterricht mit den Bedürfnissen von Bildungsinstitutionen in Ghana, Bahrain, Moldova, Georgien und Armenien. Aus den Projekten haben sich ein Lernmodell und basale Inhalte ergeben, die grundsätzlich für die Lehrer:innenbildung diskutierbar sind. Der Vortrag gibt Einblick in Entwicklungsarbeiten und transkulturelle Erfahrungen, präsentiert jedoch keine aktuellen Studien.
Wiltrud Weidinger ist Professorin für Erziehungswissenschaften und Leiterin des Zentrums für Unterricht und transkulturelles Lernen an der PH Zürich. Rudolf Isler ist selbständig als Autor und Bildungsexperte tätig und war vormals Dozent an der PH Zürich.
"Videobasierte Fallarbeit zu kognitiver Aktivierung: Einblicke in ein Design-Based-Research Projekt"
23.05.2024, 16:00 - 17:30 Uhr | PHZH, LAB-K080
Das Projekt «Professionelle Kompetenzentwicklung durch videobasierte Fallarbeit in der Lehrpersonenausbildung» der PHBern (2023-2026) orientiert sich am Ansatz des Design-Based-Research und fokussiert kognitive Aktivierung als Dimension von Unterrichtsqualität in den Fächern Bewegung und Sport (Sekundarstufe 1), Bildnerisches Gestalten (Primarstufe), Geografie (Sekundarstufe 2) sowie Textiles und Technisches Gestalten (Primarstufe). Der Vortrag präsentiert den bisherigen Entwicklungs- und Forschungsprozess im Projekt und die dafür (weiter)entwickelten hochschuldidaktischen Lehr-Lern-Settings mit videobasierter Fallarbeit sowie ausgewählte Erhebungsinstrumente zur Erfassung der professionellen Kompetenzentwicklung der Studierenden bezüglich kognitiver Aktivierung.
Referierende: Verena Huber Nievergelt, Caroline Conk, Sandra Gautschi, Jöri Hoppler, Fabian Rindlisbacher (PHBern)
Zentrales Ziel des Projekts ist die konsequente Fokussierung der Unterrichtsqualität auf fachliche Lerngegenstände. Ausgehend von den jeweiligen fachlichen Lerngegenständen sollen spezifische Lehr- und Lernprozesse beschrieben und daraus Dimensionen für guten Fachunterricht abgeleitet werden. Ziel hierbei ist es, substanzielle Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu identifizieren und ein fächerübergreifendes Rahmenmodell von Unterrichtsqualität zu entwickeln, das für fachliche Lerngegenstände angepasst werden kann. Aufbauend auf dem Modell soll ein online-basiertes, formatives Evaluationsinstrument entwickelt werden. Diese Entwicklung erfolgt im Hinblick auf die Anwendbarkeit in der Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen, zum Beispiel im Rahmen von  Gesprächen über Unterrichtsqualität. Damit diese Ziele erreicht werden können, arbeiten Fachdidaktiker*innen verschiedener Disziplinen aus der Aus-, Weiterbildung und Forschung eng zusammen. 
  • Kann ein fächerübergreifendes Rahmenmodell entwickelt und dieses am Beispiel verschiedener Fächer lerngegenstandsbezogen ausdiffferenziert werden?
  • Kann dieses lerngegenstandsspezifische Unterrichtsqualitätsmodell…
    … den wissenschaftlichen fachdidaktischen Diskurs mit der Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen verbinden?
    … in einem formativen Evaluationsinstrument abgebildet und empirisch überprüft werden?
  • Können lerngegenstandsspezifische Profile der Unterrichtsqualität…
    … normativ-theoretisch bestimmt werden?
    … empirisch überprüft werden?
  • Werden das lerngegenstandsbezogene Unterrichtsqualitätsmodell und das formative Evaluationsinstrument als nützlich für die Hochschulbildung eingeschätzt?
  • Projektbegleitende fachübergreifende und fachspezifische Workshops mit Expertinnen und Experten (Delphi-Studie)
  • Zyklische Überprüfung der Anwendbarkeit im Schulfeld und in der Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen
  • Datenauswertung: Qualitative Dokumenten- und Inhaltsanalyse (QIA), konfirmatorische Faktoranalysen (CFA) und Latent-Profile Analysen (LPA)
  • Unvollständiges, randomisiertes Design: Je nach Lerngegenstand sind spezifische Aspekte von Unterrichtsqualität relevant; lerngegenstandsspezifische Auswahl der Skalen

Instrumente

  • Entwicklung eines online-basierten, formativen Evaluationsinstruments mit direkter Ergebnisauswertung
  • Nutzung des Evaltionsinstruments im Schulfeld und in der Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen 
Das Projekt wird grob in drei Phasen eingeteilt: Die Konzeptions-, die Implementations-, und die Evaluationsphase.

Projektleitung

Stefan Daniel Keller
Abteilungsleiter Fachdidaktische Forschung
Professor für Englischdidaktik
Projektleitung im Prorektorat Forschung
Christian Herrmann
Professor für Fachdidaktiken Bewegung und Sport
Projektleitung im Prorektorat Ausbildung

Projektteam

Ursina Markwalder
Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Prorektorat F
Julia Hodson
Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Prorektorat F
Livia Murer
Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Prorektorat F
N.N.
N.N.
Das Austauschforum hat zum Ziel, Unterrichtsqualität in ihren unterschiedlichen Facetten zu beleuchten. Dafür werden regelmässig Referierende eingeladen, die sich in besonderer Weise mit dem Thema auseinander gesetzt haben. Es soll dem Austausch mit verschiedenen Menschen innerhalb und ausserhalb der PHZH und der Vernetzung aller dienen.
PROGRAMM
29.02.24
Prof. Dr. Wiltrud Weidinger & Prof. Dr. Ruedi Isler  
Pädagogische Hochschule Zürich 
Verschiedene Facetten von Unterrichtsqualität – Erfahrungen aus der internationalen Bildungszusammenarbeit 
23.05.24
Verena Huber Nievergelt, Caroline Conk, Sandra Gautschi, Jöri Hoppler, Fabian Rindlisbacher 
Pädagogische Hochschule Bern
Videobasierte Fallarbeit zu kognitiver Aktivierung: Einblicke in ein Design-Based-Research Projekt

Vortrag Austauschforum vom 17.01.2024: «Messung der Unterrichtswahrnehmung von Lehrkräften in Bezug auf inklusiven (Mathematik-)Unterricht»

Gastrednerin: Prof. Dr. Gabriele Kaiser, Universität Hamburg & Nord University
Im Rahmen des Projekts TEDS-IME wurde eine Professionalisierungsmaßnahme zum Lehren und Lernen von Algebra in der Sekundarstufe I entwickelt, die mathematikdidaktische sowie allgemeinpädagogischen Perspektiven integriert und die von Februar 2023 bis Februar 2024 in Hamburg und Nordrhein-Westfalen in Kooperation mit Universitäten, Schulen und den Instituten für Lehrkräfteaus- und -fortbildung durchgeführt wurde/wird. Zur Evaluation der Professionalisierungsmaßnahmen in einem Prä-Post-Design wurde ein videobasiertes Instrument zur Messung der professionellen Unterrichtswahrnehmung von (zukünftigen) Lehrkräften fokussiert auf inklusiven Unterricht und einschlägige Wissenstests für pädagogisches und mathematikdidaktisches inklusionsbezogenes Wissen entwickelt. Prof. Kaiser stellte im Vortrag werden das Instrument zur professionellen Unterrichtswahrnehmung, die Konzeption der Professionalisierungsmaßnahme und erste Ergebnisse der Implementierung des Professionalisierungskonzepts und des Instruments zur professionellen Unterrichtswahrnehmung vor.

Veranstaltung Austauschforum vom 17.11.2023: «Module zur Unterrichtsqualität an der PHZH: Einblicke und Austausch»

Referierende: Sandro Biaggi, Simone Herzog, Karin Landert Born, Stefan Marty, Silvia Menzi, Theresia Müller, Hanna Weinmann, Barbara Zumsteg
Dozierende der Eingangs-, Primar- und Sekundarstufe I der PHZH gaben Einblicke in die Curricula der stufenspezifischen Module „Unterrichtsqualität“, welche die Studierenden im Rahmen ihrer Ausbildung absolvieren. Dabei lag ein Schwerpunkt auf den in den Modulen vermittelten Theorien und Modellen zur Unterrichtsqualität sowie der Analyse von videografiertem eigenem und fremdem Unterricht hinsichtlich ausgewählter Merkmale von Unterrichtsqualität. Im anschliessenden inspirierenden Austausch über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Modulen wurden Erfahrungswerte ausgetauscht, Herausforderungen diskutiert und Potentiale für zukünftige Zusammenarbeit identifiziert.
Das Protokoll der Veranstaltung kann angefragt werden (julia.hodson@phzh.ch); ebenfalls die Präsentationen nach Rücksprache mit den Referierenden.

Vortrag Austauschforum vom 29.08.2023: «Möglichkeiten und Herausforderungen der Unterrichtsbeurteilung mit INSULA»

Gastrednerin: Wida Wemmer-Rogh, Lehrstuhl für pädagogisch-psychologische Lehr-Lernforschung und Didaktik der Universität Zürich
Wida Wemmer-Rogh stellte in ihrem Vortrag das Instrumentarium INSULA vor, das an der Uni Zürich für die beobachtungsbasierte Beurteilung von Unterrichtsqualität im Rahmen der externen Schulevaluation in der Deutschschweiz entwickelt und validiert wurde. Sie erläuterte den Entstehungshintergrund und stellte die Ergebnisse aus der evidenzbasierten Validierung von INSULA vor. Abschliessend wurden Möglichkeiten und Herausforderungen der Unterrichtsbeurteilung mit INSULA diskutiert.
INSULA ist unter folgendem Link veröffentlicht (open-access): https://doi.org/10.5281/zenodo.8280334 

Vortrag Austauschforum vom 27.04.2023: "Auf dem Weg von der Unterrichtsforschung zur Unterrichtsentwicklung: Unterrichtsbeobachtung und Feedback

Gastredner: Prof. Dr. Benjamin Fauth, Institut für Bildungsanalysen Baden-Württemberg (IBBW):
In seinem Vortrag setzte sich Prof. Dr. Benjamin Fauth mit den Basisdimensionen von Unterrichtsqualität auseinander. Unterrichtsqualität ist ein entscheidender Faktor für den Lernerfolg von Schülerinnen und Schülern, wobei der Tiefenstruktur eine entscheiden Bedeutung zukommt. Insgesamt verdeutlichte Prof. Fauth, dass Unterrichtsqualität ein komplexes Konstrukt ist, das auf verschiedenen Ebenen betrachtet werden muss. Eine erfolgreiche Unterrichtsgestaltung erfordert ein tieferes Verständnis der Tiefenstrukturen von Unterricht sowie eine ausgewogene Berücksichtigung der verschiedenen Basisdimensionen von Unterrichtsqualität. In diesem Zusammenhang stellte er ein konkretes Beurteilungsinstrument vor, welches Unterrichtsqualität konkret beobachtbar machen und so die Brücke schlagen soll von der Unterrichtsforschung zur Unterrichtsentwicklung.
Der unterrichtlichen Unterstützung des Übens wurde in den letzten Jahren nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Gleichzeitig ist das Üben in allen Fächern und Domänen ein zentrales Element, sodass es wieder stärker in den Blick genommen werden sollte. Im Workshop wurde ausgehend von den Leitfragen
  • Welche Konzepte von Üben gibt es?
  • Welche Merkmale kennzeichnet «gutes» oder «intelligentes» Üben? und
  • Welche empirischen Zugänge existieren zur Untersuchung der unterrichtlichen Gestaltung des Übens?
rege diskutiert, welche fachlichen Besonderheiten sich bei diesen Fragen zeigen und welche verbindenden, fächerübergreifenden Elemente sich finden lassen. Hierzu fanden aufschlussreiche Keynotes von Prof. Dr. Malte Brinkmann (allg. Erziehungswissenschaft); Prof. Dr. Dorothee Wieser & Prof. Dr. Jochen Heins (Deutschdidaktik); Prof. Dr. Alfred Richartz (Bewegung- und Sportpädagogik); Prof. Dr. Julian Roelle (Bildungspsychologie) und Prof. Dr. Timo Leuders (Mathematikdidaktik) sowie eine fächerübergreifende Postersession statt. Insgesamt kann der Workshop als Auftakt für die Fortsetzung der anregenden Diskussion gesehen werden, aus welcher eine Publikation oder zukünftiges Forschungsprojekt entstehen soll.