Schreibpläne
1.6 Und die Kreativität?
Auch solche Stimmen sind in der Praxis immer wieder anzutreffen.
Es braucht ein Gerüst, das unterstützt. Zu viel Gerüst kann auch zu schlechteren Texten führen.
(Lehrer Mittelstufe)
Die Kinder scheiben mit Hilfe der Vorgaben gut strukturierte Texte. Sie orientieren sich am Gerüst. Die Texte wirken aber häufig etwas schematisch – ich meine damit wenig eigenständig.
(Lehrerin Sekundarstufe)
Es besteht die Gefahr der «Minimalismus-Animation» für leistungsstärkere Schüler/-innen: Es kann passieren, dass diese Schüler/-innen «Schreiben nach Vorschrift» machen, und kein Wort mehr.
(Lehrerin Unterstufe)
Ein Vergleich mit Tanzen in «Bewegung und Sport» oder mit bildnerischem Gestalten wirft ein anderes Licht auf solche Hinweise. Z.B. werden beim Tanzen verschiedene Schritte und Figuren gezielt eingeübt und kombiniert oder im «bildnerischen Gestalten» bestimmte Techniken erlernt und angewendet. Dieses Erlernen von vorgegebenen Abläufen oder Mustern oder Techniken führt dazu, dass Schüler/-innen sich ein Repertoire von Grundlagen aneignen, das eine gute Basis für das «freie» Arbeiten schafft.
Bilder zu den Themen «Elefanten» und «Herbst»
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Fotos: Susanne Peter
Schreiben mit Schreibplänen vermittelt Schüler/-innen Lerngelegenheiten zu Textaufbau und passenden Formulierungen. Nicht alle Schüler/-innen brauchen aber gleich viel Unterstützung. Wie derselbe Schreibplan binnendifferenzierend eingesetzt werden kann, wird in Kap. 2 «Derselbe Schreibplan für verschiedene Lernbedürfnisse» beschrieben.
Es ist zudem zu empfehlen, nach der Einführung und ein- oder mehrmaligem Einsatz eines Schreibplans zu einer bestimmten Textsorte, einen weiteren Text ohne Schreibplan zu schreiben. So wird nicht nur der Spielraum für eigenes Gestalten geschaffen, sondern das Gelernte findet auch Gelegenheit zur Anwendung und gibt damit nicht zuletzt auch der Lehrperson einen Einblick in das Lernen der Schüler/-innen.

