Schreibpläne

4.1 Planungsschritte

Für die Einführung eines Schreibplans liefern folgende Planungsschritte für Lehrpersonen eine Orientierung. In diesem Kapitel sind verschiedene Einführungsideen und Hinweise dazu zu finden.

Dabei ist zu beachten, dass die Schüler/-innen für die Schritte 3 bis 5 je nach ihrem Schreibniveau mehr oder weniger oder gar keine Unterstützung brauchen. (Siehe Kap. 2. Schreibplan für div. Lernniveaus)

Planungsschritte 1 bis 5

Inhaltlich gibt es unzählige Themen und Anlässe, zu denen im Unterricht geschrieben werden kann. Damit der Sinn, die Bedeutung und auch die spezifischen Merkmale der schriftlichen Kommunikation im Gegensatz zur Mündlichkeit auch erfahrbar werden, ist es wichtig, dass das Schreiben eines Textes nicht nur eine Übung ist, die von der Lehrperson gelesen und korrigiert wird, sondern dass sich ein Text mit einem klaren Schreibziel auch immer wieder an konkrete Adressat/-innen richtet. Die Schüler/-innen wissen, was sie warum für wen schreiben sollen, wie z.B.

  • Eine Beschreibung der Geschwister für eine Vorstellungsrunde in der Klasse
  • Ein Bericht über eine Exkursion zum Flughafen als Lernrückblick
  • Eine Pechgeschichte zum Vorlesen in Kleingruppen

Für das Schreibenlernen ist es aber auch durchaus sinnvoll, Texte «nur» als Übung zu schreiben und diese sozusagen im Entwurf stehen zu lassen. Schüler/-innen erhalten formative Rückmeldungen und diese sind dann Grundlage für das Schreiben des nächsten Textes.

Der Schreibanlass braucht einen Bezug zum Unterricht, z.B. zur Thematik aus dem Fach NMG oder aus einer Klassenlektüre. Der Anknüpfungspunkt kann auch die Erlebniswelt der Schüler/-innen sein, z.B. «Ein Ort, der mir viel bedeutet» oder «Mein Lieblingsspiel». So wird gewährleistet, dass Schüler/-innen Inhalte und einen Bezug zum Thema haben und Vorstellungen entwickeln können, was sie im Text schreiben könnten.

Hilfreich für das Sammeln bzw. Erarbeiten des Vorwissens kann es auch sein, wenn Dokumente und Materialien aus dem Unterricht (z.B. Arbeitsblätter, Lehrmittel, Modelle, Fachwortschatzsammlung) oder Fotos eines Schulanlasses z.B. an der Wandtafel oder auf einem Tisch oder im Ordner der Schüler/-innen zum Nachschauen bereitstehen.

Ideen zum Sammeln des Vorwissens allein, zu zweit, in Gruppen oder in der Klasse

Brainstorming zu Lieblingsspielen

für Spielanleitungen (Kurzvorträge in der Klasse)

Mindmap zum Leben in der Steinzeit

für einen Sachtext (Themenordner) oder ein Sachplakat (Ausstellung im Klassenzimmer)

Zeitstrahl zur Flughafenexkursion

für einen Bericht (Erinnerungsheft)

Placemat zu Rechenschritten bei der schriftlichen Subtraktion

für einen Lernrückblick (Matheheft)

Texte haben je nach Inhalt und Zielsetzung unterschiedliche Textmuster und spezifische Erkennungsmerkmale, die sich unter anderem im inhaltlichen Aufbau (z.B. Figuren und Ort, Problem und Problemauflösung in Geschichten), in der Wahl der Formulierungen (z.B. «Es war einmal…» in Märchen) und in der grafischen Gestaltung (z.B. Leerzeilen nach Datum, Anrede, Text, Gruss im Brief) unterscheiden.

In der linken Spalte des Schreibplans unter «Das musst du machen.» finden Schüler/-innen eine Orientierung für den Textaufbau, welche auch die Grundlage für den Aufbau der Textmusterkenntnis liefert.

Ideen für die Einführung des Textaufbaus

Die Lehrperson liest die Anleitung aus dem Schreibplan vor und kommentiert diese, ggf. auch im Sinn von «Modelling». Dann liest sie den Abschnitt aus dem Mustertext vor. 

Mustertext wird von der Lehrperson vorgelesen, nach jedem Textteil stellt sie die Anleitung aus dem Schreibplan am Visualizer oder an der Wandtafel vor.

Der Mustertext wird ein erstes Mal vorgelesen (evtl. von einer Tonaufnahme abgespielt), die Textstruktur ist visualisiert, z.B. an der Wandtafel mit farbigen Blättern oder Bildern. Beim zweiten Hören zeigt die Lehrperson auf die entsprechenden Textteile der Textstruktur. Im Anschluss daran werden die Schüler/-innen gefragt, was die einzelnen Textteile beinhalten. Zur Kontrolle wird der Text ein drittes Mal gehört. 

Schüler/-innen schreiben die Titel der Anleitungen zu den einzelnen Textteilen auf Zettelchen und legen diese, während der Mustertext vorgelesen wird, in die richtige Reihenfolge oder sie lesen den Mustertext selber und legen die Titel neben die richtigen Textstellen. 

Schüler/-innen bekommen den Schreibplan und den Mustertext. Sie markieren im Mustertext diejenigen Formulierungen, die auch im Schreibplan vorkommen

Schüler/-innen haben den Schreibplan vor sich, die Lehrperson liest einen Textteil aus dem Mustertext vor und die Schüler/-innen zeigen mit dem Finger auf den richtigen Anleitungstext auf dem Schreibplan. 

Wenn die Schüler/-innen das Textmuster schon kennen

Schüler/-innen nennen die Merkmale des Textes (z.B. Lernrückblick) und markieren die gefundenen Merkmale in der Spalte Textaufbau im Schreibplan oder sie schreiben selber die Titel zu den Anleitungstexten im Schreibplan.

Schüler/-innen schneiden Mustertext und Textaufbauspalte aus dem Schreibplan auseinander und setzen beide in der richtigen Reihenfolge wieder zusammen.

Einführungsvarianten

Einfacher:

  • Weglassen einzelner Textteile
  • Von mehreren Textteilen einen oder zwei auswählen lassen, zu dem der Schüler oder die Schülerin schreiben möchte

Anspruchsvoller:

  • Einfügen zusätzlicher Textteile

Schreibideen können gemeinsam in der Klasse oder auch individuell gesammelt und in einem Schreibplan in die rechte Spalte notiert werden («Ideen für das Schreiben» statt «So kannst du es formulieren»).

Ideen für das Sammeln von Schreibideen

Die Schüler/-innen nennen Ideen und die Lehrperson schreibt sie an die Wandtafel oder am Computer direkt in die Ideenspalte mit Beamer-Projektion.

Die Titel der Textteile stehen an der Wandtafel oder auf Plakaten. Die Schüler/-innen schreiben ihre Ideen direkt darauf oder auf Zettel, die dann zum entsprechenden Textteil geklebt werden.

Im Anschluss daran werden die Ideen besprochen.

Schüler/-innen sammeln zu einzelnen Textteilen Ideen zu zweit oder zu dritt und notieren Stichwörter je auf einen eigenen Schreibplan. Diejenigen Ideen, die sie übernehmen möchten, werden markiert. 

Zu den ersten Textteilen werden gemeinsam im Klassenverband Ideen gesammelt, zu den weiteren allein oder zu zweit. Dieses Vorgehen eignet sich z.B. für Erlebnisberichte. So bekommen die Schüler/-innen Anregungen zur Erlebnisauswahl und richten sich bei der Weiterarbeit auf ihr eigenes Erlebnis aus.

Schreibideen für Geschichten

In den Schreibplänen zu Geschichten, werden inhaltliche Vorschläge für den Geschichtenaufbau gemacht, die dem Textmuster «Geschichten» entsprechen. Textbausteine fehlen mehrheitlich, ausser bei Bildergeschichten oder Nacherzählungen, da dort die Inhalte vorgegeben sind und darum auch Vorschläge für Formulierungen gemacht werden können. Evtl. könnten geschichtenspezifische Textbausteine eingefügt werden, wie z.B. «Es war einmal…», «Plötzlich…», «Zum Glück…». 

Beim Ideensammeln für «freie» Geschichten und Geschichten «ohne Bilder» geht es um eine offene Ideensammlung zu Figuren, Problemstellungen und Lösungen. Je nach Kombination der Ideen fallen die Geschichten dann ähnlich oder auch ganz unterschiedlich aus. 

In der rechten Spalte des Schreibplans «So kannst du es formulieren.» finden die Schüler/-innen Vorschläge für das Versprachlichen der Schreibideen.

Ideen für das Formulieren bzw. die Einführung der Textbausteine

Die Lehrperson erläutert ausgewählte (bildungssprachliche) Formulierungen aus dem Mustertext. Die Schüler/-innen formulieren dazu eigene Beispielsätze, bzw. Parallelsätze zu ihren Textideen. 

In Einzel- oder Partnerarbeit werden die Ideen zu jedem Textteil mündlich ausformuliert und dabei können die Formulierungen im Schreibplan markiert werden, die so übernommen werden, die anderen können durchgestrichen werden.

Ergänzungen zu den Textbausteinen oder zusätzliche Formulierungen können bei Bedarf auch schriftlich notiert werden in Stichwörtern oder auch ganzen Sätzen.

In einer Kleingruppe werden die Formulierungen zusammen mit der Lehrperson gesammelt. Die Lehrperson notiert diese in den Schreibplan, z.B. am Computer mit Beamer-Projektion. Ein Filmbeispiel dazu findet sich unter folgendem Titel «Kompetenzorientiert unterrichten im Fach Deutsch/ DaZ»:

Textbausteine für Geschichtenschreibpläne

Diese müssen in der mündlichen Schreibstunde mit den schreibschwächeren Schüler/-innen erarbeitet werden, wenn die Figuren, Handlungen usw. selber gewählt werden können. 

Das Sammeln der Textbausteine kann auch gemeinsam im Klassenverband gemacht werden. Dann entstehen möglicherweise Geschichten mit einem ähnlichen Inhalt. Mögliches Publikum für dieses Vorgehen wären z.B. die Gotte- und Götti-Kinder der Unterstufenklassen, welchen die Geschichten dann in einem Zweiersetting vorgelesen werden könnten. 

Einführungsvarianten

Einfacher:

  • Weglassen einzelner Textteile und/ oder Auswahl der Textbausteine reduzieren
  • Von mehreren Textteilen einen oder zwei auswählen lassen, zu dem der Schüler oder die Schülerin schreiben möchte

Anspruchsvoller:

  • Einfügen zusätzlicher, inhaltlich bzw. sprachlicher komplexerer Textbausteine