Schreibpläne
9.1 Formative Beurteilung
Ziel von formativen Beurteilungen bzw. Rückmeldungen ist es, nächste Lernschritte aufzugleisen und dabei auch die Lernmotivation zu bestätigen und zu unterstützen. Letzteres wird vor allem durch positive Rückmeldungen zu Gelungenem erreicht. Dadurch wird das Selbstvertrauen und insbesondere die Selbstwirksamkeit (Ich kann es! Mein Einsatz lohnt sich!) gestärkt. Erfolgserlebnisse sind die Grundlage für Lernmotivation und Lernfreude, und dies ist vor allem für leistungsschwächere Schüler/-innen sehr bedeutsam.
Formative Beurteilung umfasst sämtliche Tätigkeiten der Lernbegleitung durch die Lehrperson während des Unterrichts (z.B. beim Sammeln von Schreibideen oder beim Sammeln von Formulierungen in der Vorbereitung des Textschreibens oder in der begleitenden Schreibberatung während des Textschreibens).
Zu formativen Beurteilungen gehören beispielsweise
bestätigende Rückmeldungen |
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klärende Rückfragen |
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ergänzende Erklärungen |
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Korrekturhinweise |
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Aufforderungen zur Selbsteinschätzung |
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Antworten auf Fragen |
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Inhaltlich beziehen sich formative Beurteilungen auf die konkreten Lernaktivitäten der einzelnen Schüler/-innen beim Textschreiben. Wegleitend dafür sind die Lernziele und Beurteilungskriterien, die für einen Schreibanlass festgelegt worden sind. In Lernsituationen ist es sinnvoll, eine Auswahl von wenigen Beobachtungen in den Blick zu nehmen und rückzumelden, die für die Schüler/-innen und auch für die Lehrpersonen inhaltlich und umfangmässig gut bewältigbar sind:
- Dies können beispielsweise zwei Rückmeldungen zu Gelungenem und zwei Rückmeldungen zu Punkten sein, die verbessert werden müssen. Schüler/-innen bekommen mit dieser Vorgehensweise möglicherweise zu individuell verschiedenen Kriterien Rückmeldungen je nach ihrem Lernstand.
- Es können auch Rückmeldungen zu beispielsweise drei ausgewählten Kriterien gegeben werden, die im Unterricht zuvor ausführlich thematisiert wurden. In diesem Fall bekommen alle Schüler/-innen zu denselben Kriterien Rückmeldungen, und zwar zu Gelungenem und/ oder zu nötigen Verbesserungen.
Formative Beurteilungen werden - wie bereits erwähnt - laufend während der Lernbegleitung im Unterricht gemacht, z.B. in Klassengesprächen zur Vorbereitung des Schreibens oder in der individuellen Schreibberatung während des Schreibens. Sie können zusätzlich auch zu einem bestimmten Zeitpunkt während des Schreibprozesses eingeplant werden, z.B. bei einem Zwischenhalt, nachdem die Einleitung und der erste Teil des Hauptteils geschrieben wurden. Dabei kann auch ausblickend das Vorgehen zum Weiterschreiben thematisiert werden, was für die Schreibmotivation und die Textqualität sehr bereichernd ist.
In der Praxis werden formative Beurteilungen bzw. Rückmeldungen oft auch zu fertigen Textentwürfen gemacht. Diese Beurteilungen sind dann Grundlage für die Textüberarbeitung. Dieses Vorgehen ist sinnvoll, wenn gute und korrekte Textprodukte das Ziel sind, weil die Texte veröffentlicht werden, z.B. in einer Ausstellung, in einer Klassenzeitung.
Formative Beurteilungen während der Lernbegleitung werden jeweils laufend von den Schüler/-innen in die weitere Arbeit integriert. Wenn die formativen Beurteilungen zu einem Textentwurf gegeben werden, braucht es Überlegungen zur Planung der Weiterarbeit, damit die Beurteilungen für nächste Lernschritte auch genutzt werden können. Dabei ist darauf hinzuweisen, dass Textentwürfe nicht zwingend für eine sogenannte «Reinschrift» überarbeitet werden müssen. Die Praxis zeigt vor allem bei jüngeren Schüler/-innen, dass die folgende Vorgehensweise sich als geeigneter erweist: Die Rückmeldungen zu einem Text werden vor dem Schreiben eines neuen Textes derselben Textsorte gegeben und thematisiert. Diese Rückmeldungen werden dann für das Schreiben des neuen Textes berücksichtigt und umgesetzt. Dies ist für das Lernen und die Lernmotivation viel ergiebiger als eine Abschrift des von der Lehrperson korrigierten Textes.