Online-Lerneinheit zum LP21: Beurteilung - Update 2026
Beurteilungsformen
Nachdem Sie die Grundlagen zur Beurteilungspraxis kennengelernt haben, erfolgt nun eine Verknüpfung mit konkreten Unterrichtsbeispielen. Im Film «Beurteilungsformen» werden drei Praxisbeispiele vertieft.
Aufgabe 3
Zu jedem Unterrichtsetting gehört das entsprechende Beobachten, Beurteilen und Fördern. Sehen Sie sich den Film «Beurteilungsformen» unter dem Aspekt der fünf Leitfragen an. Der Film stoppt an drei Stellen. Beantworten Sie dann jeweils die Fragen.
Zeitbedarf: 20 Minuten
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Zwischenhalt
Sind Sie mit den Lösungen im Film einverstanden oder haben Sie andere Lösungen gefunden? Unten finden Sie zum Vergleich ausführliche Beschreibungen der jeweiligen Situationen.
Der Schwerpunkt liegt bei der formativen Beurteilung. Die Lehrperson beobachtet Ali in den verschiedenen Lernphasen und unterstützt ihn je nach Bedarf.
- Wie entscheidet sich Ali für ein Buch?
- Wie kommt er mit dem Buch zurecht?
- Gelingt es ihm, wichtige Informationen aus dem Sachbuch zu entnehmen?
- Ist der Austausch mit seinem Kollegen Peter ergiebig?
- Was braucht es, damit Ali den anderen Kindern im Kreis sein Buch auf gute Weise vorstellen kann?
- …
Die Schlussrunde im Kreis könnte man auch als summative Lernkontrolle betrachten. Dies bedingt, dass vorgängig die Kriterien verdeutlicht werden, etwa indem die Lehrperson als Modell vorzeigt, wie man auf gute Weise das Buch vorstellt und dabei einen Spielraum für unterschiedliche Niveaus aufzeigt (z.B. mit oder ohne Hilfestellungen, eine Seite oder mehrere Seiten des Buches vorstellen). Der Austausch zu zweit zwischen Peter und Ali käme dann einer Art «Hauptprobe» gleich. Das würde bedingen, dass Ali dabei formativ ein Feedback erhält und nochmals üben könnte. Um die Differenzierung zu gewährleisten und eine Präsentationsflut zu vermeiden, könnte Frau Rossi so vorgehen: Sobald sich Ali für die Buchpräsentation bereit fühlt oder sobald er dazu «grünes Licht» erhält, legt er seinen Namen in einen Hut, was bedeutet, dass er an diesem Tag in der Schlussrunde den andern über die Dinosaurier berichtet.
Was wird beurteilt?
Die Beurteilung richtet sich nach den gesetzten Zielen. Im Fokus dieses Filmbeispiels steht die ausgewählte Kompetenz aus dem Bereich Deutsch: «Die Schülerinnen und Schüler können wichtige Informationen aus Sachtexten entnehmen.» Typisch für diese Formulierung aus dem Lehrplan ist die Verschränkung von Wissen und Können. Beides soll auch in die Beurteilung einfliessen.
- Zum einen geht es um eine Qualitätseinschätzung der Vorgehensweise, des Könnens: Inwiefern ist Ali fähig, aus dem Bilderbuch wichtige Informationen zu entnehmen? Wie gut gelingt ihm das?
- Zum andern wird das erworbene Wissen beurteilt. Bei unserem Beispiel wird sichtbar, dass Ali die beiden Kategorien von fleischfressenden und pflanzenfressenden Dinosauriern kennengelernt hat.
- Was ist mit der dritten Kompetenzdimension, dem Wollen? Hierzu könnte vielleicht festgestellt werden, dass Ali einen Zugang zu Büchern gefunden hat, dass Bücher ihm etwas bedeuten, und vielleicht auch, dass er Interesse an Dinosauriern entwickeln konnte.
Nebst den fachlichen Kompetenzen aus dem Bereich Deutsch wird auch an überfachlichen Kompetenzen gearbeitet. Beim Beispiel Ali kann man sich vorstellen, dass die Lehrperson aufgrund der gewählten Aufgabenstellungen beim Beurteilen folgende überfachlichen Kompetenzen einbezieht: die Selbstständigkeit Alis, seine Ausdauer, die Art und Weise der Zusammenarbeit mit Peter, vielleicht auch seine Reflexionsfähigkeit und methodische Kompetenzen. Ob und wie diese überfachlichen Kompetenzen beim Beurteilen mit einbezogen werden, hängt von der Zielsetzung der Lehrperson ab.
Wer beurteilt?
Die Lehrperson beurteilt Ali aufgrund ihrer Beobachtungen. Da es unmöglich ist, alle Kinder gleichermassen im Blick zu haben, könnte sich Frau Rossi vornehmen, ihre Beobachtungen an diesem Morgen auf ausgewählte Kinder, darunter auch Ali, zu konzentrieren.
Eine Selbstreflexion Alis kommt im Film nicht vor. Denkbar wäre natürlich, dass Frau Rossi mit Ali über sein Lernen spricht. Auch eine persönliche Einschätzung jedes Kindes beispielsweise ganz am Schluss nach dem Austausch im Kreis (was gestaffelt an unterschiedlichen Tagen erfolgen könnte) wäre denkbar.
Eine Rückmeldung könnte Ali auch durch ein anderes Kind erhalten. Bei unserem Beispiel sähe ein solches Peer-Feedback vielleicht so aus: Nachdem Ali seinem Kollegen Peter anhand des Buches etwas über Dinosaurier erzählt hat, kommen die beiden Knaben zur Lehrperson. Frau Rossi fragt Peter: «Was hat dir Ali gut erklärt, was hast du gut verstanden?»
Im Vergleich mit womit beurteilt?
Für die Beurteilung ist die Sachnorm massgebend. Die Lehrperson ist sich darüber im Klaren, was gute Qualität auszeichnet, wenn es darum geht, wichtige Informationen aus Sachbüchern zu entnehmen. Auch für die weiteren gesetzten fachlichen und überfachlichen Ziele hat sie eine klare Qualitätsvorstellung. Diese Ansprüche werden den Kindern deutlich gemacht, sinnvollerweise visualisiert mit geeigneten Illustrationen, sei es bei der Erklärung der Aufgabe oder auch in der Begleitung des Lernens durch formative Beurteilung. In diesem Beispiel könnte Frau Rossi den Kindern eine Strategie zeigen, die verdeutlicht, was im Bereich des «Könnens» gute Qualität ausmacht. Etwa so: «Ihr klebt an drei Orten im Buch einen Post-it-Zettel hin, und zwar an den Stellen, wo ihr etwas Neues und Wichtiges über das Thema erfahrt.»
Zusätzlich kann die Individualnorm eine wichtige Referenz sein. Vielleicht beobachtet Frau Rossi einen Fortschritt und meldet Ali zurück: «Heute habe ich gesehen, dass du ganz bei dir und bei deinem Buch geblieben bist. Du konntest dich gut konzentrieren. Es ist dir viel besser gelungen als letzte Woche.»
Wie erfolgt die Beurteilung?
Im Film wird nicht sichtbar, auf welche Weise die Lehrperson ihre Beobachtungen und Einschätzungen festhält und zurückmeldet.
Eine unmittelbare mündliche Rückmeldung an das Kind ist gut denkbar, also ein Bericht in mündlicher Form. Zusätzlich hält die Lehrperson vielleicht einige Beobachtungen schriftlich fest, die zu einem späteren Zeitpunkt im Austausch mit einer anderen Lehrperson oder mit Alis Eltern als Grundlage dienen.
Ein Dialog wäre ebenfalls denkbar: Frau Rossi setzt sich zu Ali und sie sprechen gemeinsam darüber, was Ali über die Dinosaurier herausgefunden hat, wie er vorgegangen ist, was bereits gut gelungen ist und was noch besser gemacht werden kann, was er als Nächstes tun und worauf er dabei achten soll.
Ein Code könnte bei einer Selbsteinschätzung der Kinder hilfreich sein. Die Kinder legen zum Beispiel ihr Namenskärtchen zu einem passenden Symbol, etwa zur Einschätzung der Aussage: «Ich habe durch das Buch etwas Wichtiges gelernt.»
Wozu wird beurteilt?
Carolines Eintrag ins Lerntagebuch entspricht einer formativen Beurteilung. In einem schriftlichen Bericht fasst sie zusammen, was sie schon gut kann und was für sie an der gestellten Aufgabe noch schwierig war.
Die fertige Collage über Himmelskörper, die Carolines Gruppe erstellt, kann Herr Baumberger als summativen Beurteilungsanlass nutzen. Dafür bespricht er vorgängig mit der ganzen Klasse die Beurteilungskriterien und schätzt die Endprodukte jeder Gruppenarbeit anhand dieser Kriterien ein.
Was wird beurteilt?
In dieser Lernsituation orientiert sich die Beurteilung an der ausgewählten Kompetenz aus dem Fachbereich Deutsch: «Die Schülerinnen und Schüler können wichtige Informationen aus Sachtexten entnehmen.» Dabei lassen sich Aspekte des Könnens und des Wissens berücksichtigen.
Der Lerntagebucheintrag fokussiert das Können und zeigt auf, wie gut Caroline die Markierung von Kernaussagen und das Festhalten von Randnotizen gelungen ist. Ausserdem bringt er zum Ausdruck, inwiefern Caroline ihr Leseverhalten reflektieren und diese Reflexion schriftlich festhalten kann.
Das neu erworbene Wissen über Himmelskörper kann Herr Baumberger anhand der Collage beurteilen, welche Carolines Gruppe gemeinsam gestaltet. Dafür eignet sich ein Kriterienraster, das die Beurteilungskriterien transparent aufzeigt. Dabei können gestalterische Aspekte oder überfachliche Kompetenzen wie die Kooperationsfähigkeit in der Gruppe einfliessen.
Die dritte Kompetenz-Dimension, das Wollen, lässt sich sowohl bei der Begleitung und Beobachtung der Gruppenarbeit, als auch aus den Notizen von Carolines Lerntagebuch herauslesen. Dort wird sichtbar, inwiefern Caroline mit der strukturierten Aufgabenstellung der Zugang zu einer anspruchsvollen Lektüre gelungen ist.
Wer beurteilt?
Der Eintrag ins Lerntagebuch stellt eine Selbstbeurteilung und gleichzeitig eine Selbstreflexion Carolines dar.
Die Bewertung der Gruppencollage anhand eines Kriterienrasters kann einerseits von der Gruppe selbst, von Herrn Baumberger oder von der schulischen Heilpädagogin vorgenommen werden. Es ist sinnvoll, die verschiedenen Perspektiven im gleichen Beurteilungsraster festzuhalten.
Im Vergleich womit wird beurteilt?
Der Lerntagebucheintrag dokumentiert Carolines persönliche Lernfortschritte hinsichtlich der neu vermittelten Strategien. Caroline schätzt selber ein, wie gut es ihr gelungen ist, die von Herrn Baumberger gezeigten Techniken anzuwenden. Sie setzt die Sachnorm in Beziehung zu ihrem früheren Leseverhalten, stellt sie also der Individualnorm gegenüber.
Bei einer Bewertung der Gruppencollage wäre wiederum die Sachnorm massgebend, allerdings basierend auf anderen Kriterien. Herr Baumberger definiert die Qualitätskriterien dafür und macht sie der Klasse transparent.
Wie erfolgt die Beurteilung?
Carolines Lerntagebucheintrag erfolgt in Form eines schriftlichen Berichts.
Während der Begleitung der Gruppenarbeit durch Herrn Baumberger und die schulische Heilpädagogin finden mündliche Berichte in Form von Rückmeldungen statt. Mit einigen Kindern der Klasse werden die beiden Lehrpersonen während der Begleitung der Gruppenarbeit Dialoge darüber führen, wie die Anwendung der beiden neu gelernten Lesestrategien klappt, welches Vorgehen sich für einzelne Kinder bewährt und was bei einem nächsten Mal besser berücksichtigt werden kann.
Weiter ist denkbar, dass die beiden anwesenden Lehrpersonen Beobachtungen zum Verlauf der Gruppenarbeit notieren und Notizen zu einem späteren Zeitpunkt zur Einschätzung der überfachlichen Kompetenzen Carolines beiziehen.
Die Beurteilung der Gruppencollage anhand eines Rasters basiert auf einem festgelegten Code. Hier sind mehrere Möglichkeiten denkbar: Beurteilung in Form von Worten, Symbolen oder Notenwerten.
Wozu wird beurteilt?
In Franks Lernsituation steht die formative Beurteilung im Zentrum. Im Gespräch mit seiner Lehrerin erhält Frank in Form einer Lernbegleitung Rückmeldungen zu seiner Arbeit und hält anschliessend mittels einer To-do-Liste fest, wie er weiter vorgehen soll.
Weitere formative Rückmeldungen erhält Frank von seiner Klassenkameradin Lia, die die Tabelle nochmals mit ihm durchgeht und die Präsentation mit ihm übt.
Eine summative Beurteilung ist in Form einer abschliessenden Beurteilung von Franks Präsentation denkbar (siehe «Was wird beurteilt?»).
Was wird beurteilt?
Das Können wird mittels der Tabelle mit der Gegenüberstellung der zwei Berufe verdeutlicht. Die Tabelle dokumentiert, wie gut Frank der Vergleich der beiden Berufe gelingt. Im Dialog mit seiner Lehrerin wird sichtbar, wie er die Gegenüberstellung für die Präsentation in der Klasse verarbeiten kann.
Franks Lernsituation eignet sich gut für eine Prozess- und Produktbeurteilung. Anhand von klar formulierten Kriterien können einerseits Franks Vorgehen bei der Erstellung der Tabelle und der Vorbereitung der Präsentation, andererseits sein Wissen über die ausgewählten Berufe sowie die Präsentation vor der Klasse eingeschätzt werden. Bei dieser Form der Beurteilung lassen sich auch Aspekte des Wollens einbeziehen (z.B. Wie setzt Frank die Punkte seiner To do-Liste um? Wie stark bemüht er sich, die mit Frau Lindner besprochenen Punkte bei seiner Präsentation zu berücksichtigen? Wie ernsthaft nimmt er Hinweise seiner Kameradin Lia auf?).
Wer beurteilt?
Frank und seine Lehrerin Frau Lindner analysieren im Gespräch gemeinsam Franks Grobskizze (Selbst- und Fremdbeurteilung).
Eine kriteriengestützte bilanzierende Beurteilung nach Abschluss von Franks Präsentation durch Frau Lindner entspricht einer Fremdbeurteilung.
Eine Fremdbeurteilung in Form eines Peer-Feedbacks findet statt, wenn das Kriterienraster bereits beim Üben der Präsentation zum Einsatz kommt und Lia ihre Hinweise zur Optimierung dazu abgibt. Zusätzlich kann die Präsentation von einigen von Franks Mitschülerinnen und -schülern entlang der gleichen Kriterien eingeschätzt werden.
Die Kriterien kann Frank auch selbst einschätzen und mit den Einschätzungen seiner Lehrerin oder denjenigen von Lia oder anderen Klassenkameradinnen und Kameraden vergleichen (Selbstbeurteilung).
Im Vergleich womit wird beurteilt?
Die Besprechung der Grobskizze basiert auf der Sachnorm, die in Beziehung zu Franks Vorgehen gesetzt wird. Frau Lindner und Frank halten gemeinsam fest, wie er mit seinen Vorbereitungen für die Präsentation weiterfahren soll.
Eine bilanzierende Beurteilung mittels eines Kriterienrasters entspricht einer Beurteilung anhand der Sachnorm. Die festgelegten Kriterien beziehen sich auf fachliche und/oder überfachliche Kompetenzen aus dem Lehrplan.
Wie erfolgt die Beurteilung?
Die Analyse von Franks Grobskizze erfolgt im Dialog mit seiner Lehrerin Frau Lindner. Auch mit Lia führt Frank Dialoge über seine Tabelle und die geplante Präsentation.
Frau Lindner kann sich während des Dialogs Notizen machen, die ihr wichtige Hinweise für die Einschätzung von Franks überfachlichen Kompetenzen geben.
Beim Einsatz eines Kriterienrasters kommen Codes zum Einsatz. Hier sind mehrere Möglichkeiten denkbar: Worte, Symbole oder Notenwerte.