Didaktisches Design von videobasierten Selbstlernangeboten
Keep it short ... (Videolänge)
Die Botschaft ist einfach: Videos zu Lernzwecken sollten möglichst kurz sein. In der Literatur wird dazu immer wieder die Obergrenze von sechs Minuten genannt. Diese Empfehlung stammt unter anderem von Guo, Kim und Rubin (2014), die in einer Studie das Lernverhalten von Teilnehmenden in MOOCs untersucht haben. Eine Erkenntnis war, dass kurze Videos eher zu Ende geschaut werden. Bei längeren Videos brechen die Lernenden ab und bearbeiten dazugehörige Aufgaben seltener.
Diese sechs Minuten sind nicht in Stein gemeisselt. In Ausnahmefällen kann ein Video auch einmal länger sein. Unsere Aufmerksamkeitsspanne ist allerdings begrenzt. Deshalb empfehlen Experten sogar noch kürzere Abschnitte von zwei bis drei Minuten, um die Aufmerksamkeit zu gewährleisten (vgl. Hansch, Hillers, McConachie, Newman und Schmidt 2015).
Anstelle eines langen Videos ist es besser, mehrere kürzere Sequenzen zur Verfügung zu stellen. Buchner (2019, 35) sieht im Weiterklicken zum nächsten Video eine Möglichkeit, die Lernenden zu aktivieren und die Aufmerksamkeit zu steigern. Ausserdem haben die Studierenden unterschiedliche Vorkenntnisse. Bei mehreren kurzen Videos können sie schnell eine Auswahl treffen und an geeigneter Stelle einsteigen.
Logischerweise führt der Fokus auf kurze Videos zu einer Konzentration oder Schärfung des Inhalts.
Wie kann man Lernvideos kurz halten?
In Selbstlernangeboten geht es nicht darum, sämtliche Inhalte oder Informationen in Form von Video zu vermitteln. Videos dienen zum Beispiel der Vorbereitung und Einführung ins Thema. Sie sollten das Wichtigste fokussieren. Weiterführende Informationen folgen dann als Text. Die Reduktion auf die wesentlichen Punkte ist nicht immer einfach. Videos werden jedoch nur selten besser, wenn sie länger sind.
Wenn pro Video nur ein Thema oder eine Kompetenz behandelt wird, lässt sich sicherstellen, dass die Filme nicht zu lang werden. Zusätzlich hilft ein eindeutiger, idealerweise kompetenzorientierter Titel. Dieser Titel nennt nicht nur das Thema, sondern zusätzlich eine Handlung (vgl. typische Verben für die einzelnen Taxonomiestufen). Solche Überschriften geben den Lernenden Orientierung und helfen ihnen, sich auf die Inhalte einzustellen. Das ist nicht gewährleistet, wenn die Videos ohne Ankündigung in den Kurs oder das Lernmodul eingebettet sind.
Administrative Erläuterungen haben im Video nichts zu suchen. Sie verhindern, dass das Video in anderen Kontexten verwendet werden kann, und verlängern es unnötig.
Spezialfall Vorlesungsaufzeichnungen
Klassische Vorlesungsaufzeichnungen eignen sich nur bedingt für videobasierte Selbstlernangebote. Zwar lassen sich mit zusätzlichen Funktionen und Möglichkeiten zur Interaktion (Kapiteleinteilungen, Sprungmarken, Suche ...) die Nachteile dieses Lernvideo-Genres bis zu einem gewissen Grad kompensieren, dennoch ist es besser, gezielt kürzere Vorträge zu planen und zu produzieren. Vorlesungsaufzeichnungen können nachträglich oft nur schwer in kleine Einheiten unterteilt werden.
- Enthalten meine Videos wirklich nur das Wichtigste?
- Teile ich die Inhalte so auf, dass ich mich dabei nur auf ein oder zwei Themen beschränke?
- Halte ich mich an die empfohlene Länge von zwei bis fünf Minuten?
- Welchen kompetenzorientierten Titel gebe ich meinem Video?