Didaktisches Design von videobasierten Selbstlernangeboten

Text oder Video?

Die Aussage «Television is easy and print is tough» hält sich bis heute hartnäckig. Die Studie von Salomon (1984) untersuchte, wie viel Anstrengung Schulkinder in das Lernen mit Bildungssendungen im Fernsehen oder mit Texten investierten. Kinder nahmen das Fernsehen als einfaches Medium wahr und gaben sich weniger Mühe, damit zu lernen. Texte hingegen stuften sie als schwierig ein und waren bereit, sich beim Lernen mehr anzustrengen. Entsprechend besser fielen die Lernleistungen aus, was für eine höhere Lernwirksamkeit von Texten spricht. Im Gegensatz dazu stellten Homer et al. (2008) fest, dass Video aufgrund seiner Multimedialität die kognitive Belastung sogar erhöhe.

Welche Inhalte deines Selbstlernangebots solltest du nun als Video und welche als Text zur Verfügung stellen? Der Zugang über die Learning Outcomes kann die Entscheidung erleichtern.

Vorteile von Videos

Für Erklärvideos und Tutorials verweisen Studien auf positive Effekte in Bezug auf ihre Lernwirksamkeit (Findeisen et al. 2019, 29). Das gilt sowohl für das Wissen als auch für nichtkognitive Merkmale wie Lernmotivation und Zufriedenheit. Videos haben Vorteile gegenüber Text, wenn es darum geht, Konzepte zu illustrieren oder Fertigkeiten zu demonstrieren. 

Wenn es sich um längere Videos ohne Begleitmaterial, Gliederung und Interaktionsmöglichkeiten handelt, können damit die folgenden kognitiven Prozesse und Wissensdimensionen unterstützt werden.

Wissensdimensionen

Kognitiver Prozess

A. Sachwissen

B. Zusammenhänge

C. Methoden, Fertigkeiten und Abläufe

D. Metakognition

1. Erinnern

2. Verstehen

3. Anwenden

4. Analysieren

5. Beurteilen

6. Erschaffen

Mit entsprechenden Lernaufgaben und Segmentierungen lassen sich durchaus auch höhere Taxonomiestufen erreichen.

Vorteile von Texten

Schriftliche Unterlagen helfen hingegen bei der Analyse und Beurteilung von Sachwissen oder im Rahmen der Metakognition. Denn dafür ist eine gewisse Reflexionszeit nötig (Koumi 2015, 13). Mit Video-Text-Kombinationen (Koumi 2015) können auch höhere Taxonomiestufen erreicht werden.

Wissensdimensionen

Kognitiver Prozess

A. Sachwissen

B. Zusammenhänge

C. Methoden, Fertigkeiten und Abläufe

D. Metakognition

1. Erinnern

2. Verstehen

3. Anwenden

4. Analysieren

5. Beurteilen

6. Erschaffen

Die Übersicht zeigt, dass sich mit Videos alleine noch kein umfangreiches und ausgewogenes Selbstlernangebot gestalten lässt. 

  • Biete ich schriftliche Unterlagen anstelle von Videos an, wenn Studierende spezifische Details und Elemente anwenden, analysieren und beurteilen müssen?
  • Unterstütze ich mit Texten, wenn umfangreiche Inhalte selbstständig durchsucht, ausgewählt oder verarbeitet werden müssen?
  • Wähle ich Videos vor allem für konzeptionelles (Zusammenhänge) und prozedurales (Methoden, Fertigkeiten und Abläufe) Wissen?
  • Welche Art von Informationen hast du den Videos entnommen? Welche den Texten? Hättest du mehr Inhalte als Video dargeboten? Oder weniger?