Didaktisches Design von videobasierten Selbstlernangeboten

Lernaufgaben

Testaufgaben mit automatisierten Rückmeldungen zählen zu den essenziellen Bestandteilen von Online-Kursen. In den MOOCs der grossen amerikanischen Universitäten gibt es zu den meisten Lehr- und Lernvideos im Kurs Multiple-Choice-Aufgaben zu bearbeiten. Der Gedanke dahinter ist klar: Die alleinige Vermittlung von Inhalten reicht so wie im Präsenzunterricht nicht aus, um Lernprozesse anzustossen oder den Lernerfolg zu sichern.

Durch gezielte Fragestellungen und Aufträge wird eine Auseinandersetzung mit dem Lernmaterial angeregt. Dabei soll es nicht nur um die Ergebnissicherung gehen, Lernaufgaben müssen früher im Lernprozess ansetzen und aktivieren. Das gilt auch für Selbstlernangebote und das Lernen mit Videos generell. Ohne dazugehörige Lernaufgaben zur Anwendung und Vertiefung besteht die Gefahr, dass Inhalte sehr oberflächlich rezipiert werden und schnell in Vergessenheit geraten. Es bleibt beim Durchklicken (Petschenka 2004).

Studierende lernen mehr und behalten Gelerntes besser, wenn sie sich Wissen und Fertigkeiten eher auf aktive als auf passive Weise aneignen. Nachhaltige Lernaktivitäten sollten laut Dee Fink (2003, 20 f.) folgende drei Arten aktiven Lernens ermöglichen:
  • den Umgang mit Wissen und Ideen
  • Erfahrungen durch eigenes Tun
  • Beobachten und Reflexion durch Austausch 
Das ICAP-Rahmenmodell von Chi und Wiley (2014) geht ebenfalls davon aus, dass der Lernerfolg umso besser ist, je intensiver sich die Lernenden mit den Materialien auseinandersetzen. In der Taxonomie unterscheiden Chi und Wiley zwischen vier verschiedenen Modi oder Qualitätsstufen von Lernaktivitäten: passiv, aktiv, konstruktiv und interaktiv. Am konkreten Beispiel von Videos könnte das wie folgt aussehen.

Qualitätsstufe

Lernaktivitäten

Beispiele

1

passiv

ein Video oder eine vertonte Präsentation nur anschauen

2

aktiv

Interaktion mit dem Video durch Pausieren, Vor- und Zurückspulen, Wiederholen, wichtige Stellen notieren ...

3

konstruktiv

Notizen machen, eigene Zusammenfassungen schreiben, Concept Maps erstellen, Nachmachen der gezeigten Handlungen, Analyse und Interpretation von Demonstrationsvideos ...

4

interaktiv

Faktenfragen und/oder Reflexionsaufgaben zum Inhalt gemeinsam mit anderen Studierenden beantworten und diskutieren, Gemeinsamkeiten oder Unterschiede herausarbeiten, Fragen für andere erarbeiten, gemeinsam Erklärvideos produzieren ...

Lernaufgaben stehen immer mit den intendierten Learning Outcomes in Verbindung. Dem Konzept des Constructive Alignments folgend geht es darum, Learning Outcomes, Prüfungsform und Lehr-/Lernaktivitäten aufeinander abzustimmen. Die im Voraus geplanten Lernaufgaben sollten den Studierenden helfen, die Ziele zu erreichen und sich die nötigen Kompetenzen anzueignen.

  • Wähle ein passendes Video für deine Lerninhalte oder ein Video aus deinem Selbstlernangebot und formuliere dazu eine konstruktive oder interaktive Lernaktivität (Qualitätsstufe 3 oder 4).