Didaktisches Design von videobasierten Selbstlernangeboten
Zusatzmaterial und interaktive Videos
Videosequenzen mit schriftlichem Begleitmaterial
Die UK Open University verfügt über eine lange Tradition im Fernstudium und viel Expertise in der Produktion von Lehr-/Lernfilmen. Koumi (2015) berichtet, dass bereits in den 1980er Jahren die Unterrichtsmaterialien aus Fernsehsendungen und schriftlichem Begleitmaterial bestanden. Das Zusatzmaterial bereitete Studierende mit Lernzielen auf den Inhalt vor. Nach einer kurzen Inhaltsangabe konnten die Lernenden anhand von Fragen zur Selbsteinschätzung ihr Vorwissen aktivieren. Mithilfe dieser Lernstrategien wurden die Filme aufmerksamer geschaut.
Gleichzeitig nutzte man die Start-Stopp-Funktion von Videos. Die Studierenden wurden eingeladen, das Video an bestimmten Stellen zu unterbrechen und Kontrollfragen im Begleitmaterial zu beantworten.
Mittlerweile belegen zahlreiche Studien, dass das Reflektieren zu kurzen Videopassagen und das Beantworten von Wiederholungsfragen lernförderlich ist. Kontrollfragen im Video aktivieren das Denken. So wird der Problematik vorgebeugt, dass Studierende die Videos nur oberflächlich rezipieren. Gemäss Mayer und Morello (2014) lernen Studierende besser mit Videos, wenn sie immer wieder dazu angeleitet werden, Zusammenfassungen zu machen.
In videobasierten Selbstlernangeboten ist Begleitmaterial in Form von Studienbriefen nicht mehr nötig. Abstracts zu Filmen, Aufgaben zur Aktivierung des Vorwissens oder Kontrollfragen können direkt als Text in den Kurs integriert oder mithilfe spezieller Technologien als interaktive Videos umgesetzt werden.
Interaktive Videos
- Hervorhebungen (Einblenden von Schlüsselbegriffen, Hinweisen oder Reflexionsfragen)
- Zusatzinformationen und -material (Links zu Webseiten oder Dateien)
- Quizfragen (Single und Multiple Choice, Lückentexte, Zuordnungsaufgaben ...)
- Annotationen (persönliche Notizen, Fragen und Kommentare im Austausch mit anderen ...)
- Manipulation (Zoom, 360°-Ansicht, Verzweigung ... )
- ...
Empirische Befunde schreiben Videos mit interaktiven Elementen positive Lerneffekte zu. So identifizieren Zhang et al. (2006) und Delen, Liew und Willson (2014) bessere Lernergebnisse und eine längere Auseinandersetzung mit dem Videomaterial, wenn Studierende interaktive Videos nutzen.
Social Video Learning baut auf der Interaktivität auf. Diese Form der Videoreflexion hilft, verschiedene Perspektiven von Lehrenden und Studierenden zu erkennen.
Überlegungen zum Einsatz von Quizfragen in interaktiven Videos
In manchen Online-Kursen bekommt man den Eindruck, dass Quizfragen nahezu inflationär verwendet werden. Wenn interaktive Elemente nur dafür genutzt werden, die Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten und das Verständnis zu überprüfen, kann es passieren, dass Studierende das als Gängelei oder Bevormundung empfinden.
Die Gestaltung von sinnvollen Multiple-Choice-Aufgaben ist alles andere als trivial. Neben der sprachlichen und fachlichen Richtigkeit geht es darum, gute Distraktoren zu finden. Da Rückmeldungen die Lernenden weiterbringen sollen, müssen sie gut durchdacht sein. Für Abwechslung sorgen Transferfragen, weiterführende Fragen oder persönliche Einschätzungen, bevor die Antwort im Video genannt wird oder zur Lernwegsteuerung.